Deutschland droht eine weitere Erhöhung der Strompreise. Baden Württemberg besonders stark betroffen.
Für die deutschen Stromkunden werden die kommenden zwei Monaten hart werden. Deutschlandweit erhöhen insgesamt 25 Stromanbieter ihre Preise zum 01.07 und 01.08. Die Erhöhungen reichen hier bis zu 13,9 Prozent. Das in Süddeutschland gelegene Bundesland Baden Württemberg leidet derweil am stärksten unter den massiven Strompreisanhebungen, da alleine über die Hälfte der 25 Strompreiserhöhungen hier ihren Ursprung haben. Die neuen Bundesländer sind im Vergleich dazu noch gut davon gekommen. Die Bundesländer Thüringen, Brandenburg und Sachsen hatten zusammen genommen nämlich lediglich vier Erhöhungen der Strompreise zu verzeichnen. Den Stromverbrauchern kann man daher nur dringend zu einem Stromvergleich in ihrer Heimstadt raten, um die teuren Strompreiserhöhungen zu umgehen.
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Es ist nicht wirklich zu verstehen, aber es ist Fakt: In diesem Monat bezahlten die privaten deutschen Haushalte rund sieben Prozent mehr für ihren Strom als im vergangenen Jahr. Die Industrie hingegen, die ihrerseits Preiserhöhungen gern mit gestiegenen Energiekosten begründet, erhält derzeit Rabatte in Höhe von 26 Prozent. Die Lieferanten erklären dies mit langfristigeren Lieferverträgen und das Bundeskartellamt hat mit den Ermittlungen begonnen.
Berlin - Die Stromkonzerne haben bis zum laufenden Monat die Strompreise für private Abnehmer um sieben Prozent erhöht. Im Vergleich zum Vorjahr zahlt ein Haushalt mit drei Personen heute durchschnittlich 67,70 Euro jährlich mehr, das sind im Monat rund 4,55 Euro. So berichtete die Nachrichtenagentur AP und beruft sich auf bisher unveröffentlichte Unterlagen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Dem gegenüber steht eine allgemeine Teuerungsrate von nur 0,5 Prozent und die immer noch sinkenden Öl- und Gaspreise. Damit befindet sich der Strompreis im Jahr 2009 auf dem höchsten Stand seit der Freigabe am Ende der Neunziger. Zum Vergleich: Im Milleniumsjahr 2000 musste eine dreiköpfige Familie für einen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden 40,66 Euro berappen. Bis heute entspricht dies einem Preisanstieg von mehr als 55 Prozent.
Erklärungsversuche des BDEW
Am Montag erst hatte der BDEW auf der Hannover-Messe mitgeteilt, dass für Industriekunden bei Neuverträgen rund 26 Prozent weniger Geld fällig wird als das noch im Oktober vergangenen Jahres der Fall war. Hildegard Müller, die Chefin des BDEW, erklärte diesen Widerspruch zum Preisanstieg bei Privathaushalten damit, dass die Versorger an der Leipziger Strombörse den Strom für die Haushalte ein bis zwei Jahre im Voraus kaufen. Und dort hätten sie sich eingedeckt, als die Preise noch hoch waren. Langfristig, so Müller, würden auch für Privatkunden die Preise sinken – vorausgesetzt, dass der Strompreis so niedrig bleibe. Industriekunden hingegen würden jetzt nur bei Neuabschlüssen von Lieferverträgen weniger bezahlen.
Bereits seit vergangener Woche geht das Bundeskartellamt dem Verdacht nach, dass die großen Energiekonzerne durch absichtliche Verknappung der Strommengen die Preise an der Leipziger Strombörse künstlich in die Höhe getrieben haben sollen. Bis zum 6. Mai müssen die 60 größten Unternehmen nun Auskunft über die Kosten ihrer Stromproduktion, die Einsatzplanung ihrer Kraftwerke sowie ihr Angebotsverhalten auf den Großhandelsmärkten in den Jahren 2007 und 2008 geben.
Anbieterwechsel spart bares Geld
Knapp 80 Prozent des deutschen Strommarktes liegen in der Hand von vier Konzernen: RWE, E.on, Vattenfall und EnBW. Verbraucherschützer vermuten, dass in dieser Monopolstellung ein Hauptgrund für die hohen Strompreise in Deutschland liegt. Der BDEW hält dagegen, dass die staatlichen Abgaben auf die Energie über die Jahre massiv angestiegen und damit den Strompreis in die Höhe getrieben hätten. Seit 1998 stieg der Abgaben- und Steuerbetrag einer Durchschnittsfamilie von rund 12 Euro auf 26 Euro. So würden 40 Prozent der Stromrechnung einer Familie an den Staat fließen, erklärte der BDEW.
Mit einem Wechsel zu einem anderen Anbieter kann ein Durchschnittshaushalt bis zu 300 Euro jährliche sparen. Daher fordert die Bundesnetzagentur die deutschen Kunden immer wieder auf, die Alternativen zu prüfen. Noch verhallt dieser Aufruf weitgehend ungehört: Im Jahr 2007 haben nur 4,23 Prozent der Kunden ihren Anbieter gewechselt. Die hohen Strompreise haben aber auch ein gutes: Bis Ende März diesen Jahres ist der Stromverbrauch bereits um vier Prozent zurückgegangen.
Das Wettbewerbsverfahren der EU gegen E.on ging mit einem recht milden Urteil aus. Der Konzern bekam die Auflage, sein deutsches Hochspannungsnetz sowie die Kraftwerkskapazitäten in Höhe von 5000 Megawatt zu verkaufen. Das Verfahren wird eingestellt. Im Amtsblatt der EU teilte die Kommission mit, das die Auflagen ausreichend seien, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen und daher für ein weiteres Tätigwerden der Kommission kein Anlass mehr bestehe.
Das Urteil steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen und Beurteilungen, die der Kommission im seit mehreren Jahren laufenden Verfahren vorliegen, berichtet “Spiegel Online“. Zumindest gehe dies aus den veröffentlichten vorläufigen Beurteilungen hervor, die der Entscheidung der Kommission zugrunde liegen. Demnach könnte E.on sehr wohl seine “beherrschende Stellung” auf dem deutschen Strommarkt “missbräuchlich ausgenutzt” haben, um die Strompreise - vermutlich seit Jahren - in die Höhe zu treiben, so der Spiegel weiter. Auch der Umfang der Manipulation ist der Kommission offenbar konkret bekannt. Zudem müsse angenommen werden, dass E.on etwaige Wettbewerber am Eintritt in den deutschen Markt gehindert habe, um so Preissenkungen zu verhindern.
Die Vorwürfe sind nicht neu. Vielmehr liegen sie bereits seit 2006 als schriftliche Zusammenfassung der Beweisstücke, die das Bundeskartellamt sowie die EU-Kommission in den Zentralen der Stromkonzerne sichergestellt hatte, vor. Dieses Papier bietet zahlreiche Indizien dafür, dass es geheime Runden der Chefetagen der großen Energieversorger gab, dass bei diesen Treffen das Vorgehen auf den unterschiedlichsten Märkten besprochen und sensible Geschäftgeheimnisse ausgetauscht worden sind und dass zumindest E.on versucht hat, den Preis für Strom an der Leipziger Strombörse EEX maßgeblich zu beeinflussen.
Diese Indizien lagen auch der EU-Kommission vor, die über E.on zu entscheiden hatte. Doch statt der erwarteten Konsequenzen gab es nun dieses vergleichsweise sehr milde Urteil. Experten vermuten, dass die Entscheidung durch den steigenden Druck der Lobby aus der Energieindustrie beeinflusst wurde. Für die Kritiker des bestehenden Systems ist das Urteil ein Schlag ins Gesicht, denn die Hoffnung auf eine strengere Regulierung des deutschen Energiemarktes und eine konsequente Preisaufsicht rückt nun in weite Ferne.
Doch auch die Stromversorger sind nun in der Bredouille. Nimmt man die Kenntnisse deutscher Kartellbehörden zu den vorliegenden Beweisstücken hinzu, wäre das ausreichend, um zumindest ein Ermittlungsverfahren gegen E.on einzuleiten. Die Anklage könnte hier auf den Straftatbestand des Börsenbetrugs sowie diverse Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz lauten. Noch ist allerdings unklar, ob sich eine Staatsanwaltschaft dieser Angelegenheit annehmen wird. E.on weist hingegen erst einmal alle Vorwürfe pauschal ab. Wohl auch, weil ein Verfahren nicht nur einen erheblichen Imageschaden für alle Stromanbieter auf dem deutschen Markt bedeuten würde, sondern auch, weil es weitreichende Schadensersatzansprüche von deutschen Stromkunden nach sich ziehen könnte.
Obwohl sich die Preise an der Leipziger Energiebörse seit Mitte vergangenen Jahres mehr als halbiert haben, erhöhen ab April noch einmal 42 Stromversorger ihre Preise. Sie begründen dies mit langfristigen Bezugsverträgen. RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann hatte erst kürzlich erklärt, dass mit sinkenden Strompreisen frühestens 2010 zu rechnen sei, weil die RWE-Regionalgesellschaften ihren Strom lange im Voraus zu den damaligen höheren Preisen eingekauft hätten. Diese Preise würde man nun an den Kunden weiterreichen. RWE hebt bei seinen regionalen Versorgern die Preise um durchschnittlich sieben Prozent an. Schon im Februar hatten die E.ON-Regionalgesellschaften ihre Preise um rund neun Prozent erhöht. EnBW garantiert bis immerhin Juni seine Preise, Vattenfall sogar bis Jahresende. An der Leipziger Energiebörse (EEX) kostet eine Megawattstunde zur Lieferung 2010 etwa 40 Euro. Vergangenen Juli waren es noch mehr als 90 Euro.
Matthias von Maltzahn, Sprecher des vebraucherportals Get AG, führte hierzu gegenüber der Wirtschaftszeitung €uro am Sonntag aus, dass die Erhöhung für den Durchschnittsverbrauch eines Vier-Personen-Haushaltes mit 4000 Kilowattstunden eine Mehrbelastung von 7,9 Prozent oder 68,70 Euro bedeute. Allein die Lübecker Stadtwerke haben angekündigt, ihren Grundversorgungstarif zum April um knapp zwei Prozent zu senken. Laut von Maltzahn immerhin eine jährliche Entlastung von 19,20 Euro.
Um den für Sie günstigsten Tarif zu finden und den Preiserhöhern ein Schnippchen zu schlagen, vergleichen Sie hier und wechseln Sie Ihren Anbieter. Denn die Kunden, die trotz Preiserhöhungen bei ihrem Anbieter bleiben, schenken den Konzernen jährlich 800 Millionen Mehreinnahmen!