Ökostrom hat nicht nur Freunde. Vor allem die hohen Subventionen sind Haushaltspolitikern und Verbrauchern ein Dorn im Auge. Was Strom in zehn Jahren kosten wird, haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) berechnet.
Seit Jahren erfahren die Erneuerbaren Energien einen ungeahnten Boom. Ob Windkraft, Solarenergie, Photovoltaik oder Wasserkraft - immer mehr Stromverbraucher entscheiden sich für umweltschonende Energie. Inzwischen ist daraus eine wichtige Branche mit etwa 300.000 Arbeitsplätzen entstanden.
Doch nicht alle freuen sich über diese Entwicklung. Schließlich wird die Marktfähigkeit des Ökostroms mit üppigen Subventionen erkauft und sorgt auch für technische Probleme. Obwohl das deutsche Stromnetz als vergleichsweise modern gilt, verursacht die Einspeisung von immer mehr Ökostrom immer stärkere Netzschwankungen. Viele lokale Netze müssen mit Leitungen und Transformatoren verstärkt werden - was letztlich die Strompreise weiter in die Höhe treibt.
Der Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Manuel Frondel, fordert die Bundesregierung daher zu einer radikalen Kurskorrektur in der Energiepolitik auf. Die Förderung nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) soll komplett gestrichen werden. Wird am der derzeitigen Förderpraxis festgehalten, so müssten die Verbraucher im Jahr 2020 fünf Cent mehr pro Kilowattstunde Strom zahlen. Nach dem EEG erhalten die Stromanbieter eine Einspeisevergütung für Ökostrom. Der Anteil an Strom aus regenerativen Quellen im gesamtdeutschen Energiemix soll auf diese Weise bis zum Jahr 2020 von heute 16 auf 30 Prozent gesteigert werden.
Claudia Kemfert vom Berliner DIW hingegen hält den ökologischen Umbau für erfolgreich und auch bezahlbar. Nicht umsonst hätten viele Länder die Einspeisevergütung nach dem Modell des EEG übernommen. Wie viel Ökostrom künftig kosten wird hängt demnach vor allem von den Laufzeiten der Atomkraftwerke ab. Bei einer Verlängerung der Laufzeiten würden die Stromkosten bis zum Jahr 2020 durchschnittlich um lediglich fünf Prozent steigen. Falls am derzeitigen Ausstiegsszenario festgehalten wird, könnten sich die Strompreise um 18 Prozent verteuern.
Quelle: http://www.wiwo.de/technik-wissen/was-gruener-strom-wirklich-kostet-432192/
Foto: Christian Wagner | Windkraftanlage im ländlichen Raum
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